Permakultur auf Deinem Balkon


Ich heiße Alexa Gádi, bin Volljuristin und habe vor kurzem meine Masterarbeit in nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit beendet. Das Thema behandelte nachhaltige Wasserbewirtschaftung zur gerechten Versorgung von Mensch und Natur für heutige und zukünftige Generationen. Es konfrontierte mich noch intensiver mit den Versorgungsschwierigkeiten mit lebensnotwendigen Ressourcen aufgrund globaler Konsummuster und stärkte mein Bedürfnis, mich im Alltag wie auch beruflich für den Erhalt des Ökosystems einzusetzen.



Wie komme ich also hier nun zu Permakultur und Gärtnern auf meinem Balkon?

Die Arbeit mit Pflanzen im Garten begleitet mich seit Kindesbeinen. Ab der Grundschule pflegte und hegte ich auf mein Bitten hin einen Drittel unseres Gartens und bis heute nehmen meine Kräuter, Blumen und mein Gemüse den meisten Platz auf meinem Balkon ein. Ich gehe dabei primär intuitiv vor und sammle Erfahrungen aus den Vorjahren bzw. aus dem stätigen Beobachten.


Beobachten spielt dabei eine sehr wichtige Rolle, es bedeutet:


Hingabe, Respekt und Geduld.

Beobachten zeigt Dir auch, welche Pflanzen an welchen Standorten mit welchen Nachbarn wie gedeihen. Es ist eine Lebensform, Artenvielfalt und das ökologische System kennenzulernen und die Entwicklungsphasen über das ganze Jahr hindurch zu beobachten und zu lernen. Durch Gärtnern im Sinne der Permakultur auf meinem Balkon möchte ich einen weiteren Beitrag für den Klimaschutz und Naturschutz leisten, während ich die Zeit mit den Pflanzen zum Ankommen genieße. Indem ich aktiv meiner Liebe zur Natur auch in meinem Zuhause Ausdruck verleihe, schaffe ich mir auch einen Raum zur Erholung und zum Auftanken.


Es ist einfach auch eine Herzensangelegenheit.

Es ist mein Weg, aktiv am Klimaschutz mitzuwirken durch nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen.


Jede Pflanze hat dabei ihren eigenen "Charakter" und nicht alles, was bei mir funktioniert, wird auch auf Deinem Balkon Früchte tragen bzw. umgekehrt. Aber dieses Entdecken bringt uns auch dem Kind in uns näher. Selbstverständlich gibt es eine Art "Handwerkszeug", die ich in diesem Prozess für mich weiter ausbauen und mit Dir teilen möchten.


Aber es ist wichtig, sich dem Prozess mal hinzugeben, intuitiv auszuprobieren und zu beobachten.


Ich möchte nun im gemeinschaftlichen Austausch und durch Ausprobieren bzw. Beobachten mehr über Permakultur und nachhaltigen Gartenanbau lernen.



Was bedeutet Permakultur?

Eigentlich bedeutet Permakultur "permanent agriculture", was dauerhafte Landwirtschaft bedeutet und ist das Bestreben, die Vernetzungen des Ökosystems nachzuempfinden, indem das Landwirtschaften nachhaltig im Einklang mit Mutter Natur erfolgen soll. Aus diesem Grund ist es dabei auch so wichtig, die Ressourcen zu schonen und zu erhalten. Deswegen ist es auch so viel mehr als nur eine Landwirtschaftsform.


Es ist ein Weg, aktiv am Klimaschutz mitzuwirken durch nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen. Mittels Respekt und Bebobachten erkennt sich der Mensch als Bestandteil dieses Ökosystems, dessen Überleben von einem gesunden Planeten abhängt.


Und so wird nachhaltiges Gärtnern zum Teil der eigenen Lebenseinstellung und kultiviert ein liebevolles Miteinander.

Das Prinzip lässt sich dabei auf dem kleinen Stadtbalkon genauso anwenden wie im großen Garten. Da das Bedürfnis der Menschen nach der Verbindung zur Natur stetig wächst und auch Menschen in der Stadt Gemüse-, Obst- und Kräuteranbau betreiben möchten, sind Urban Gardening, d.h. urbanes Gärtnern und vertikales Gärtnern somit auch in aller Munde. Zum einen werden städtische Flächen zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt, zum anderen wird der kleinste Raum platzeffizient ausgenutzt, um eine Selbstversorgung und das Naturerlebnis auf dem Balkon zu ermöglichen.


So ist auch das vertikale Gärtnern ein Weg, platzsparend Beete anzulegen.

Zum Beispiel werden dazu Europaletten stehend verwendet, um die Zwischenräume für den Anbau zu nutzen. Im Internet und in Büchern gibt es dazu unzählige Ideen, wie sich solche vertikalen Beete mittels Brötchen- und Weinkisten, Europaletten und Treppen selber gestalten lassen.



Der Start in die Selbstversorgung


Ich möchte dieses Projekt mit Dir nicht zu einer Wissenschaft gestalten. Es geht darum, den Einstieg zu finden bzw. in der Gemeinschaft und im Austausch Permakultur zu entdecken oder auch weiter auszubauen.


Im MagicLab soll es dazu außerdem die Möglichkeit geben, Erfahrungen miteinander zu teilen und sich auzutauschen.


Da ich bisher meine ganze Energie auf die Masterarbeit gerichtet habe, starte ich etwas später in die Gartensaison. aber das sollte niemanden aufhalten, seinen eigenen Einstieg zu finden. Selbstverständlich bringen die Jahreszeiten Zyklen mit sich, aber befrei Dich von Fristen.


Mein Balkon befindet sich daher auch noch im Aufbau, aber gerade die Vorbereitung und Gestaltung Schritt für Schritt bietet Raum zum spielerischen Kennenlernen und Entdecken. Ich freue mich richtig auf das Pflanzen, mit den Händen in der Erde wühlen, manche Pflänzchen einen neuen Standort oder neue Nachbarn schenken und zu sehen, wie sich alles entwickelt.





Ich habe im ersten Schritt meinen Balkon auf sonnige, halb-sonnige und schattige Standorte überprüft und mir überlegt, wie ich den begrenzten Platz vertikal und horizontal am besten Nutzen kann. Ich habe zwar Südseite und damit viel Sonne, die Bäume und der Bau des Hauses sorgen jedoch auch für einige halbschattige bis schattige Standorte, weswegen ich später aufpassen muss, dass manche meiner Töpfe nicht im Schatten der anderen stehen.

Das Balkongeländer habe ich vollständig durch hängende Töpfe mittels Blumenkastenhalterungen genutzt. An der Wand befinden sich zudem weitere Halterungen, die ich mit Hängetöpfen besetzen kann. Auf die Fensterbank, den Boden und eine kleine dekorative Bank werden die einzelnen Töpfe verteilt und zu guter letzt habe ich mir im Baumarkt ein platzsparendes Hochbeet angeschafft, das es aber noch aufzubauen gilt. Natürlich kann man die auch selbst bauen, aber aus Zeitgründen und weil das Hochbeet im Bauhaus zunächst alles hatte, was ich wollte, wurde es das Fertigmodell. Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, das Vertikalbeet mittels Europalette auszuprobieren, allerdings war ich mir nicht sicher, ob die unteren Reihen auf meinem Balkon genug Sonne bekommen und wieviel Volumen die Kästen bieten. Aus Platzmangel habe ich mich somit erst einmal für das Hochbeet entschieden. Ende des Jahres werde ich mehr berichten können.

Dazu muss man sagen, dass der kreativen Gestaltungsfreiheit aber keine Grenzen gesetzt sind, wie Du mit Tischen, Treppen und Kisten Dein eigenes vertikales Gärtnern gestaltest.


Standort und gute Nachbarschaft


Für den Pflanzplan solltest Du Dich daran orientieren, was Deine Pflanzen jeweils benötigen und was Du anbieten kannst.


Frag Dich für Deinen Pflanzplan also gerne:


1. Wieviel Sonne und Platze benötigen Sie?

Eine Tomatenpflanze z.B. in einem Topf braucht mind. ein 20 Liter Fassungsvermögen und viel Sonne. Andere werden mit weniger auskommen. Walderdbeeren beispielsweise mögen Halbschatten, wohingegen die meisten Erdbeersorten eher Vollsonne benötigen.


2. Welchen Nährstoffbedarf haben Sie?


Kurz gesagt, es gibt:

Starkzehrer mit einem hohen Nährstoffbedarf

und

Mittel- und Schwachzehrer mit einem mittleren bzw. niedrigen Bedarf


Beim Anbau achtet man deswegen auf Bodenbeschaffenheit und Standort.


Je nach Bedürfnissen und Wachstumsverhalten, wird das Gemüse, das Obst, die Kräuter und die Blumen in gute Nachbarschaft und auch zeitlich aufeinander folgend gepflanzt bzw. ausgesät. In seinem Pflanzplan entscheidest Du Dich hierbei für eine gewisse Fruchtfolge.

Fruchtfolge bedeutet, welche Pflanzen Du nacheinander in der gleichen Erde anbauen möchtest. So pflanzt man in der Regel zuerst die Starkzehrer, dann die Mittelzehrer und zuletzt die Schwachzehrer, da die Plfanzen zu Beginn dem Boden die meisten Nährstoffe entziehen.


Keine Sorge, das steht auf allen Saatpackungen und findet sich im Internet wie z.B. in kostenfreien Aussaatplänen wie dem von Krautkopf, den ich richtig hilfreich finde.


Permakultur bedeutet aber auch Mischkultur.


Da die unterschiedliche Pflanzen eine Symbiose und Verbindung mit einander eingehen, die dazu führt, dass alle voneinander profitieren.


Sie sorgen für Wind- und Sonnenschutz durch unterschiedliche Wuchshöhen und schützen sich gegenseitig vor unliebsamen Gästen.


Manche Kräuterdüfte verscheuchen so manch eine Laus

Außerdem gibt es unterschiedliche Wurzeltypen:


Tief- und Flachwurzler.


Diese bereiten den Boden vor und helfen bei der Bewässerung.


Besonders spannend finde ich die nachbarschaftlichen Beziehungen auf meinem Balkon zwischen meinen Kräutern.

Zum Beispiel achte ich mittlerweile darauf, dass ich mehrjährige Kräuter nicht mit einjährigen zusammen pflanze und auch der Wasser- und Sonnenbedarf kann zu nicht idealen Partnerschaften führen. So haben in meinen Kästen manche Kräuter andere so dominiert, dass ich sie trennen musste. Liebstöckel und Pfefferminze sind z.B. bei mir definitiv Einzelgänger, so auch das Kraut der Unsterblichkeit ("Jiaogulan") und auch meine Zitronenmelisse hat in manch einem Blumenkasten die Machtherrschaft übernommen. Das liegt oft daran, dass ich ständig weggeworfene oder fast vertrocknete Pflanzen mit nach Hause nehme und sie zum Aufpäppeln aufgrund Platzmangels immer eingepflanzt habe wie es gerade möglich war und irgendwie hat es auch meistens geklappt. Dennoch möchte ich in Zukunft den nachbarschaftlichen Beziehungen mehr Sorge tragen. Bei Gemüse sollten z.B. Tomaten nicht zusammen mit Erbsen, Fenchel, Gurken und Kartoffeln eine Wohngemeinschaft starten, dafür ist es für viele Erdbeersorten ratsam Blumen in der Nähe anzubauen, die Bienen anziehen, die die Erdbeeren bestäuben.

Es geht hier nicht darum, alles auswendig zu können, sondern mehr darum, sich bei der aktuellen Auswahl zu überlegen, ob es passt - immer aufs Neue.

Welche Kräuter ? Welche Blumen?


Mein Anbauplan lebt auch durch meine Kräuter, die in vielen Fällen zu Schwachzehrern gehören, weswegen die Anzucht- und Kräutererde in dem Fall für sie das ganze Jahr geeignet ist. Ich möchte dieses Jahr außerdem versuchen, neben den bekannteren Balkonkräutern wie Thymian und Basilikum auch Frauenmantel, Baldrian und Ysop zu kultivieren. Alles je nach Platz und Bedarf.

Hinzukommen (essbare) insektenfreundliche Wildblüten wie Ringelblume, Kapuzinerkresse, Kornblume und Cosmea. Ich bin gespannt, wie sich alles entwickeln wird.

Denn mein Anbauplan steht nicht bereits fest für das gesamte Jahr. Ich möchte die Dinge auf mich zukommen lassen und beobachten und dann reagieren. Im dynamischen Prozess werde ich z.B. auch sehen, was mein Platz zulässt - natürlich unter Beachtung von Nährstoffbedarf, Fruchtfolgen und Nachbarschaften. Ich habe auch bereits Ideen, wer auf wen folgen könnte, aber ich möchte es miterleben und sehen, welche Pflanze wie reagiert und wo vielleicht was angebaut werden könnte.


Dabei ist nichts in Stein gemeißelt. Es ist ein sich entwickelnder und intuitiver Prozess.

Ob Du es lieber mit einem monatlichen Anbauplan oder frei gestalten möchtest, ist Dir ganz überlassen. Hast Du allerdings Favoriten, ist es auf jeden Fall ratsam nachzuschauen, wann sie in die Vorkultur bzw. ins Freie ausgesät werden sollten und welche Keimdauer sie haben für den Fall, dass Du Dich für sie entscheidest.



Ressourcen sparen und Artenvielfalt fördern

Aber auch bei der Bewässerung spielt ein nachhaltiger Ressourcenumgang eine wichtige Rolle. Du kannst dir Gedanken machen, wie du Wasser zur Bewässerung wiederverwenden kannst


Wasser zum Salatwaschen bspw. als Gießwasser nutzen

oder

evtl. eine Regenwasserspeicherung .


Vielleicht ist auch ein Insekten- oder Bienenhotel eine Option und eine Tränke für Bienen und Vögel an heißen Sommertagen.



Wie Du starten kannst:


1. Erforsche Deinen Balkon bzw. Deinen Garten


  • wieviel Platz hast Du?

  • wieviel sonnige Standorte (mind. 6 Std. Sonne am Tag),

  • wieviel halbschattige Standorte (3-6 Std. Sonne am Tag)

  • wieviel schattige Standorte (weniger als drei Sonnenstunden)


Das wird Dir bei deinem Pflanzplan helfen.



2. Pflanzplan evtl. mit Gartenplanertagebuch


Damit kannst Du erfassen, wo Du stehst und was Du für Standorte hast. Im weiteren Verlauf markierst Du am besten Deinen Töpfen die Pflanzensorte inkl. Datum der Aussaat, um später noch zu wissen, was Du wann ausgesät hast. Später kannst Du noch Deine Erfahrungen zum Wuchs, der Nachbarschaft, zur Ernte und Pflege notieren.


Ich persönlich lese mir gerne Hintergrundwissen zu meinen Pflanzen an, um keine Kapitalfehler zu begehen, aber ich vergleiche sie auch mit meinen Erfahrungen und passe sie an die Pflanzen vor Ort bei mir an.


Denn das Schöne ist ja gerade, dass Du eine Verbindung mit der Natur eingehst, indem Du versuchst, einfach mal "hinzuhören", was sie Dir versucht zu sagen.

3. Besorge dir ein Mini-Gewächshaus, Anzuchttöpfe, Quelltöpfe und Erde und Pflanzensaat



Für die Vorkultur im Gewächshaus auf der Fensterbank eignen sich abbaubare Quelltöpfe z.B. aus Kokosfastern und abbaubare Anzuchtöpfe.

Tomaten am besten direkt in die Anzuchttöpfe.

Nach der ersten Keimzeit werden Sie dann pikiert, d.h. getrennt und in ein größeren Anzuchttopf umgetopft.





Bei Erde gibt es je nach Nährstoffinhalt eine größere Auwahl.


Blumenerde ist bspw. stark nährstoffhaltig und eher für Starkzehrer geeignet.


Kübelpflanzen- und Grünpflanzenerde mit seiner eher mäßigen Düngung ist passend für den Gemüseanbau.


Hochbeete sind komplexer. Da ich eine Kleinausführung des Hochbeetes habe, das nicht so tief ist, bedarf es in meinem Fall laut dem Gartencenter meines Vertrauens nicht der untersten Schicht aus Ästen und Pflanzenresten. Statt dessen befülle ich das Beet unten mit Hochbeet-Kompost und darüber mit Hochbeet-Erde.


Für den Start nimmst Du am besten Anzucht- und Kräutererde, denn sie hat weniger Nährstoffe.


Achte dabei gerne darauf, dass die Erde torffrei ist, da Torf aus den Hochmooren abgebaut wird und somit das Klima und den Erhalt der Moore gefährdet.



Ich lade dich jetzt erstmal dazu ein, deinen Balkon und Garten mit viel Freude und Neugier neu zu entdecken und dir zu überlegen, wie du deinen Anbau mit welchen Pflanzen gestalten möchtest, um Deine Aussaat in der Vorkultur zu beginnen.

Es geht um die Freude am Ausprobieren und den einfachen Einstieg, denn Probieren geht über Studieren.

Dazu gerne auch mehr im MagicLab. Ich hoffe, ich kann in dir Lust auf Permakultur wecken oder steigern. Ich freue mich schon darauf, mit dir zusammen die Pflanzenwelt zu entdecken.


Deine Alexa