Die Dunkelheit annehmen




“Man wird nicht dadurch erleuchtet, daß man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern durch Bewusstmachung der Dunkelheit.”
C. G. Jung

Der Dezember verschluckt das Licht. Nur das geschulte Auge entdeckt die Schönheit der verschiedenen Grauabstufungen und der zarten Pastelltöne. Auf den ersten Blick wirkt alles trist, kahl und öde. Das sich nach ewiger Jugend und ewigem Sommer sehnende Gemüt, möchte reiß aus nehmen. Irgendwohin - Hauptsache Sonne und ein wenig mehr Leichtigkeit und Frohsinn.


Reif und weise ist die Erkenntnis , das ohne Winter kein Sommer - ohne Tod kein Leben und ohne Dunkelheit kein Licht. Warum also den Geschmack nicht etwas schulen - so wie mit gutem Wein - man muss sich erst ein bisschen daran gewöhnen aber dann entfaltet sich die Vollständigkeit vollmundig in allen ihren Facetten.


Um die Schönheit des Winters und der Dunkelheit zu erkennen, braucht es Mut, Hingabe und die Bereitschaft Still zu sein.


Kannst du Still sein ?


Nur wenn du bereit bist still zu sein, öffnet sich dir der vollständige und reife Geschmack der Dunkelheit. Wenn du ständig weiter in deinem Hamsterrädchen rennst, kann die Dunkelheit dich nicht ergreifen. Ja genau sie muss dich ergreifen und du musst dich hingeben - voll und ganz eintauchen und dich darin baden.


Dein ganzes System kann tief regenerieren und sich mit Stille aufladen.


Vor allem die Vorweihnachtszeit, die in unserer Gesellschaft oftmals mit so viel Stress verbunden ist, bietet sich an, um Inne zu halten.


Schau nur die Natur an, die letzen bunten Blätter sind zum fauligen Boden gefallen und ergeben sich mutig dem Kreislauf von Leben und Sterben, die Bäume sind nur noch Skelette und erinnern an Tod.


Tod.


Der Dezember ist ein gute Zeit um dich mit dem Phänomen Tod zu befassen.

Ich weiß das ist nicht heiter!

Aber es ist so wertvoll, denn es ist ein Teil dessen, was du bist.


Memento mori - bedenke, dass du sterben musst


Seite je her einer meiner liebsten Sprüche. Wenn wir mutig genug sind hinzuschauen, verliert selbst der Tod seinen Schrecken und wir erahnen eine unbeschreibliche Schönheit auch hier - unwissend und leise dem ewigen Mysterium vertrauend.


Sind nicht all die künstlichen Lichter, und diese so widernatürlich anmutende vorweihnachtliche Geschäftigkeit ein grotesker Versuch der Sterblichkeit zu entrinnen?


Die Angst sich diesem Phänomen zu stellen ist bei vielen Menschen so groß, dass sie um keinen Preis still werden wollen. Nichts kann sie davon abhalten geschäftig zu sein. Sie fürchten die Stille, weil sie in letzter Konsequenz den Tod fürchten.


Kannst du dir den Tod zum Freund machen ?

Kannst du trauern, um die, die du verloren hast und gleichzeitig ihre leise Präsenz im kühlen Winters Hauch erahnen ?

Kannst du den Zerfall ehren und dich ihm voller Respekt und Anmut hingeben ?



Rückzug


Rückzug als Privileg und Inspiration.

Kraftorte finden und die Wildgänse verabschieden. Ihnen ein Gruß mit auf die Reise geben - “kommt bald wieder ihr Guten”.

Die Farben werden sanfter, schließlich taucht die Nacht die Welt von Unten nach Oben in tiefes schwarz. Dankbar saugt das Auge den Glanz der Dunkelheit ein, denn das aufwärts zum Sonnenlicht strebende Leben mag ruhen in dieser Zeit.

Die Gegensätze auf ewig miteinander intim, folgen diesem Rhythmus und vereinen sich im Zentrum des Kreises.


Wovon träumst du heute nacht ?


Kannst du in deiner Erinnerung reisen ?


Kannst du zerfließen in einem Gefühl, um gleich darauf Halt zu finden in einem klaren Gedanken?



Vergiß, vergiß und laß uns jetzt nur dies
erleben, wie die Sterne durch geklärten
Nachthimmel dringen; wie der Mond die Gärten
voll übersteigt.
Wir fühlten längst schon, wies spiegelnder wird im Dunkeln;
wie ein Schein entsteht, ein weißer Schatten
in dem Glanz der Dunkelheit.
Nun aber laß uns ganz hinübertreten
in die Welt hinein die monden ist
- Reiner Maria Rilke



Lets create magic every day


Deine Milena